Das innere Gesicht

Herrn Professor Thomas Schnalke vom Berliner Medizinhistorischen Museum danke ich dafür,  dass ich seine wunderbaren Worte hier zitieren darf.

 

Diese passen  - wie ich finde - perfekt zu meiner HistoPopArt.

 

 


Der Körper des Menschen hat viele Gesichter. Aus Poren, Falten, Formen und Flächen der Haut formiert sich ein Individuum - unverwechselbar, vertraut, rätselhaft. Identität wird gestiftet, das Persönliche konstituiert. Ein Schicksal bekommt seinen Ausdruck. Über seine Hülle zeigt der Mensch seine Physis, seine Emotionalität und gibt Spuren seiner sozialen Formung preis.

 

Jeder Mensch ist mit seinem Körper ein unverwechselbares Unikat. Die Komposition aller Zeichen seiner Identität setzt ihn in die Welt als Faktum und Faszinosum zugleich. Seine körperliche Gestalt macht ihn für seine Mitmenschen immer wieder zu einem Gegenstand, der darin das Eigene, Besondere, Ästhetische und spezifisch Schöne zum Ausdruck bringt.

 

In Kunst und Kultur erlebt das Bild vom Körper eine permanente Konjunktur. Dichter finden immer wieder neue Begriffe für seine Erscheinungen und Entäußerungen. Bildhauer bannen seine Form. In Büsten- und Skulpturensammlungen antiker Museen wird der "schöne Körper" in den auffindbaren Variationen seiner Urgestalt ein- und ausgestellt. Einschlägige Gedanken- und Bilderwelten laden dazu ein, den Menschen immer wieder von Neuem von außen zu betrachten.

 

Aber was ist mit dem Körper unter der Haut, mit den Organen und Geweben, den Gefäß- und Nervenbündeln? Finden sich dort nicht auch atemberaubende Formen, Linien und Kurven, Krümmungen, Furchen und Flächen, die uns konstitutive Elemente für einen Begriff der menschlichen Gestalt und des individuellen Wesens vermitteln könnten, die ein Potential böten, den Grundkanon vertrauter und konstruktiver ikonographischer Muster zu bereichern?

 

 

Ausschnitt aus dem Katalog zur Ausstellung "Furchungen - Zeichnungen und Organskulpturen von Veit Krenn"